Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Dokumentations-
zentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Berlin

In der 2021 eröffneten großen Dauerausstellung erfahren Jugendliche Bewegendes über die Zwangsaussiedlung von Deutschen als Folge der nationalsozialistischen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg. Auch die erzwungene Migration weiterer Bevölkerungsgruppen aus vielen Ländern Europas steht im Fokus.

Ausstellungsinhalte

Die Dauerausstellung richtet sich an alle Altersgruppen. Sie ergründet auf zwei Etagen die Geschichte von Flucht, Vertreibung und Zwangsmigration. Zunächst geschieht das aus europäischer und globaler Perspektive. Flucht und Vertreibung der Deutschen im und nach dem von Deutschland verursachten Zweiten Weltkrieg bilden den zweiten Schwerpunkt. Die Ausstellung befasst sich mit Fragen von universeller Bedeutung: Warum werden Menschen vertrieben oder zur Migration gezwungen? Welche Wege müssen sie dabei zurücklegen? Was bedeutet es, die Heimat zu verlieren? Wie können diese Menschen einen Neuanfang wagen?

Die beiden Ausstellungsebenen sind in Themenbereiche untergliedert, zum Beispiel „Nation und Nationalismus“, „Verluste und Neuanfänge“ oder „Geteilte Geschichte europäischer Verständigung“. Die einzelnen Bereiche sind abwechslungsreich gestaltet. Man findet dort Ausstellungsgegenstände, Objektgruppen und Installationen, Objekte aus der Gegenwart sowie digitale Angebote. Zu letzteren zählt eine interaktive Weltkarte, die Fluchtrouten visualisiert und die kontinuierliche Aufgabe der Vergangenheitsaufarbeitung sichtbar macht.

Die Besucherinnen und Besucher können den Weg durch die Ausstellung frei wählen. Angelpunkt der beiden Etagen ist ein „Forum“, das die Besuchenden einlädt, über die Ausstellung nachzudenken. Ihre eigenen Meinungen zur Ausstellung können sie dort als Feedback auf Notizzettel schreiben und aufhängen.

Links:

Museumspädagogik im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin

Museumspädagogik im Dokumentations-
zentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin

Das Dokumentationszentrum stellt altersgruppenspezifische interaktive sowie dialogische Rundgänge und Workshops auf Deutsch und Englisch bereit. Die Buchung ist kostenfrei für Schulen, Hochschulen und die außerschulische Jugendbildung.

Die sechs pädagogischen Programme bieten entweder eine Einführung in die Thematik der Zwangsmigration oder vertiefen Themen wie Fluchtursachen, Zugehörigkeit und Ausgrenzung sowie Zeitzeugenschaft:

Darüber hinaus stellt das Dokumentationszentrum Lehrkräften ausstellungsbegleitende Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und bietet Lehrkräften einen interaktiven Rundgang durch die Ausstellung zur Vorstellung von erprobten Zugängen aus der Vermittlungspraxis wie etwa ausgewählter Workshop-Elemente an.

Die Buchung der Angebote sollte mindestens zwei Wochen im Voraus geschehen und ist per Mail oder telefonisch möglich. Individuelle Wünsche im Rahmen der angebotenen Führungen dürfen geäußert werden. Für internationale Gruppen ist auch eine Buchung sämtlicher Angebote auf Englisch möglich. Weitere Informationen bietet ein Kontaktformular (im unteren Bereich der Webseite).

Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung bietet regelmäßig öffentliche Führungen an. Eine Besonderheit darunter stellt die Reihe »Bei Anruf Kultur« dar, bei der die Ausstellungen ohne persönlichen Besuch telefonisch kennengelernt werden kann.

Interessante Objekte

Entstehungsgeschichte der Ausstellung

Die Dauerausstellung des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung im Deutschlandhaus im Berliner Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain vermittelt seit 2021 Geschichten von Zwangsmigrationen in Europa vom 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ein Schwerpunkt der Ausstellung liegt dabei auf deutschen Migrationsgeschichten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Voraussetzung für die Entstehung des Dokumentationszentrums waren umstrittene Debattenkontexte um eine institutionalisierte Erinnerungskultur für deutsche Flucht- und Vertreibungsgeschichten Ende der 1990er Jahre, ausgelöst vom „Bund der Vertriebenen“ und dessen damaliger Präsidentin Erika Steinbach. Die im September 2000 gegründete Stiftung „Zentrum gegen Vertreibungen“ sollte das Vorhaben konkretisieren, führte aber zugleich mit dem Fokus auf deutsche Vertreibungsgeschichten zu Debatten und Belastungen der deutsch-polnischen Verhältnisse. Als es 2008 zum Beschluss der Einrichtung eines Dokumentationszentrums kam, zog sich Steinbach nach fortwährender Kritik aus dem Vorhaben zurück, was positive Reaktionen auch der polnischen Nachbarn in Bezug auf das Projekt auslöste.

Als Unterstiftung in Trägerschaft der „Stiftung Deutsches Historisches Museum“ entstand 2008 die „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, deren Konzeption 2012 unter Gründungsdirektor Manfred Kittel verabschiedet wurde. Unter Kittel wurde 2013 im Beisein der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel der Grundstein des Dokumentationszentrums gelegt. Als 2014 Uwe Neumärker auf Kittel folgte, wurde die europäische und globale Dimension stärker in das Vorhaben integriert. Unter Gundula Bavendamm, die 2016 Direktorin der Stiftung wurde, entstand 2017 ein Konzept für die Ständige Ausstellung, die 2021 im fertiggestellten Dokumentationszentrum eröffnet wurde.

Service-Informationen

Adresse und Anfahrt

Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Besucheradresse: Stresemannstraße 90, 10963 Berlin
S-Bahn: S1, S21, S25, S26 Haltestelle Anhalter Bahnhof, Bus: M29, M41 (direkte Buslinien zum Hauptbahnhof Berlin) Haltestelle Anhalter Bahnhof

Im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) gibt eine Gruppentageskarte für Schülerinnen und Schüler, mit dem bis zu 10 Kinder bzw. Jugendliche einschließlich der 8. Klasse mit einer erwachsenen Begleitperson fahren dürfen: https://sbahn.berlin/tickets/alle-tickets/gruppentickets/gruppentageskarten-fuer-schueler/

Jugendliche ab der 9. Jahrgangsstufe und Begleitpersonen können in Gruppen von maximal 5 Personen die Kleingruppen-24-Stunden-Karte nutzen: https://sbahn.berlin/tickets/alle-tickets/gruppentickets/kleingruppen-tageskarten/?tabs=tbc-t1

Eintritt und Öffnungszeiten

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 – 19 Uhr

Der Eintritt ist für alle Personen frei. Bei Gruppen ab 10 Personen wird um Anmeldung gebeten: E-Mail: gruppen@f-v-v.de, Telefon: +49 30 206 29 98-50 (Abteilung Bildung und Vermittlung)

Regelmäßig werden offene Führungen (sonntags um 11:30 Uhr), kostenlose Workshops und andere Aktivitäten angeboten: https://www.flucht-vertreibung-versoehnung.de/de/oeffentliche-angebote

Sprachen, Mediaguides und Barrierefreiheit

Die Ausstellung ist komplett zweisprachig: deutsch und englisch. Kostenlose Führungen und Workshops für Schulklassen, Jugend- und Bildungsprojekte werden auf Deutsch und Englisch angeboten, andere Sprachen auf Anfrage. Führungen und pädagogische Programme müssen mindestes zwei Wochen in Voraus angemeldet werden. E-Mail: gruppen@f-v-v.de, Telefon: +49 30 206 29 98-50 (Abteilung Bildung und Vermittlung)

Die Webseite ist auf Deutsch, Englisch, leichter deutscher Sprache und deutscher Gebärdensprache verfügbar, die wichtigsten Informationen zur Ausstellung auch auf Tschechisch, Polnisch und Russisch. Den Katalog zur Dauerausstellung gibt es nur auf Deutsch und Englisch.

Kostenlos kann ein digitaler Audioguide in sechs Sprachen ausgeliehen werden. Folgende Sprachen sind im Angebot: Deutsch, Englisch, Tschechisch, Polnisch, Russisch, Arabisch. Das Gerät dient zugleich als Fernsteuerung für alle Hör- und Medienstationen. Die angesteuerten Informationen bieten viel mehr Informationen als die reinen Lesetexte und ausgestellten Objekte. Die deutschsprachige Fassung ist mit Audiodeskription und in Gebärdensprache verfügbar.

Die gesamte Ausstellung ist barrierefrei und inklusiv. Ein taktiles Bodenleitsystem erleichtert blinden Menschen die Orientierung. Tastmodelle und Tastobjekte richten sich an alle. Sitzgelegenheiten sind vorhanden.

Medienangebote

Die Webseite des Dokumentationszentrums ist sehr ansprechend gestaltet und vermittelt einen guten Einblick in den Aufbau des Hauses und der Ausstellung sowie über die Angebote der Bildung und Vermittlung und der Bibliothek und des Zeitzeugenarchivs.

Der reich bebilderte Katalog zur Ständigen Ausstellung Flucht, Vertreibung, Versöhnung [https://www.flucht-vertreibung-versoehnung.de/de/news/katalog-zur-staendigen-ausstellung] erschien 2024 auf Deutsch, 2025 auf Englisch. Er beinhaltet thematische Essays, Einblicke in beispielhafte Schicksale und viel digitalisiertes Material, das man über QR-Codes abrufen kann. Bavendamm, Gundula (Hg.): Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Katalog zur Ständigen Ausstellung, Dresden 2024.

Der YouTube-Kanal des Dokumentationszentrums zeigt Live-Mitschnitte von öffentlichen Veranstaltungen wie Projektvorstellungen, Podiumsdiskussionen, Sonderausstellungen, Konferenzmaterialien sowie Kurzvideos zu Themenschwerpunkten. Die Videos sind meist auf Deutsch, manchmal auf Englisch oder mit englischen Untertiteln oder deutscher Gebärdensprache.

Davon empfehlenswert:

  • Dreiminütiges Video (Deutsch mit englischen Untertiteln) gibt Einblick in Inhalte und Angebote des Dokumentationszentrums und der Ausstellung: https://www.youtube.com/watch?v=-Ky-EBCoT18
  • Zehn circa zweiminütige Erklärvideos (Deutsch mit deutscher Gebärdensprache und englischen Untertiteln) zu den wichtigsten Schwerpunktthemen der beiden Ausstellungsebenen des Dokumentationszentrum: www.youtube.com/watch?v=SmuG2n5guTU
  • Video-Mitschnitt von der Präsentation eines österreichisch-tschechisch-slowakischen Zeitzeugenprojekts am 24. Mai 2023 zur NS-Zeit, Zwangsaussiedlung und zum Verbleiben von jüdischer sowie nicht-jüdischer Bevölkerung aus der Tschechoslowakei (Deutsch, teils mit tschechischen Untertiteln): https://www.youtube.com/watch?v=jBUUef2zLQU
  • Video-Mitschnitt von Vortrag und Podiumsdiskussion am 15. März 2023 zum Thema „Erinnerungen an das Internierungslager für Deutsche Hodolein in Olmütz – Das Tagebuch der Lagerärztin Dr. Erika Frömel“ (Deutsch): https://www.youtube.com/watch?v=SmuG2n5guTU

Räumlichkeiten

Für Projektarbeit mit Gruppen steht nach Absprache mit der Abteilung Bildung und Vermittlung Raum und Personal zur Verfügung. Dies kann zum Beispiel die „Werkstatt“ neben dem zentralen Treppenhaus sein, in der sich Gruppen mit ihren Vermittlerinnen und Vermittlern treffen, Ergebnisse aus den Workshops präsentieren und über Schlussfolgerungen aus dem Besuch der ständigen Ausstellung diskutieren können.

Die Bibliothek und der Lesesaal des Dokumentationszentrums bilden eine inspirierende Umgebung, um zu arbeiten, zu recherchieren, in angenehmer Atmosphäre Neues zu entdecken und sich auszutauschen. Das Dokumentationszentrum verfügt auch über einen Konferenz- und Tagungsraum.